Pierre jaune von Neuenburg (oder von Hauterive)

EINIGE KNIFFE ZUM ERKENNEN DES …

PIERRE JAUNE  VON NEUENBURG (ODER VON 

HAUTERIVE)

Die hier zusammengestellten Informationen stellen eine ausgewählte Zusammenfassung einer Studie dar, welche durch das “Laboratoire de Conservation de la Pierre (EPFL)” und danach durch das Expert-Center für Denkmalpflege in Lausanne, in Zusammenarbeit mit der Universität Neuenburg über mehrere Jahre hinweg für den Kanton Neuenburg  durchgeführt wurde.
Diese Studie sowie weitergehende, den Pierre Jaune betreffende Informationen stehen auf der Internetseite des Kantons Neuenburg

 

Geologische Definition Der Pierre Jaune von Neuenburg ist gleichzeitig ein oolithischer und ein bioklastischer Kalkstein (nach der Klassifikation der Gesteine, ist dies ein sedimentäres / chemisches UND biochemisches / biodetritisches UND chemisches, Karbonatgestein). Er besteht aus Kalktrümmern, die durch eine, ebenfalls aus Kalk bestehende, Phase zementiert werden. 
Farbe und Struktur Je nach ursprünglicher Zusammensetzung des Gesteins, seiner Struktur und seiner geologischen Geschichte, sind die eisenreichen Mineralien im Pierre Jaune mehr oder weniger oxidiert. Seine unterschiedlichen Färbungen (hellgelb, ockergelb, golden, ins Violett gehend, rötlich, bläulich, grünlich…) und Strukturen geben diesem Stein sein “lebendiges” Aussehen.
Säuretest Calcit (CaCO3), wichtigstes Mineral der Kalksteine, reagiert mit verdünnter Salzsäure (HCl 10%, entspricht 2.87 M). Bei dieser Reaktion entsteht CO2-Gas, welches an die Luft abgegeben wird, was am Sprudeln erkennbar ist.
Ergebnis des HCl-Tests auf einem Pierre Jaune: [Keine Beschreibung eingegeben] (3.5Mo)
Achtung !!! An einem Gebäude oder einer Statue, kann der Säuretest nur selten und höchstens an nicht sichtbaren Flächen durchgeführt werden! In jedem Fall eine Flasche Wasser zum Spülen und Stoppen der Reaktion bereithalten.
Identifkation
der Bestandteile
Ooide: gelb-beige, kugelige Körner von etwa 1mm Durchmesser, die oft mehr oder weniger weggelöst sind.
Für Weiteres zu oolitischen Kalken:
http://objectif-terre.unil.ch/index.php?id=2880
Bioklasten: Trümmer von Schalen von Lamellibranchiaten und Brachiopoden, Bruchstücke von Echinodermien,  BryozoenForaminiferen und Frassgänge von Anneliden.

 

Physikalische und mechanische Eigenschaften des Baumaterials  Es wäre unsinnig typische Werte für ein so heterogenes Material wie den Pierre Jaune geben zu wollen, aber anhand von Messungen von Steinen von Bauwerken, können wir doch sagen, dass an Bauten verwendeter Pierre Jaune mittel- bis hochporös ist (Gesamtporosität zwischen 11 und 21Volumen-%). Trotz seiner manchmal grossen Porosität, nimmt er Wasser durch kapillares Saugen nur schwer auf (spezifischer kapillarer Wasseraufnahmekoeffizient zwischen 1 und 11 mg / cm². ½ Min; linearer kapillarer Wasseraufnahmekoeffizient zwischen 0,1 und 0,4 cm / min ½). Diese Kinetik des kapillaren Saugens resultiert in einer geringen Füllung des Porenvolumens (Hirschwald-Koeffizienten zwischen 6 und 25 Vol-%), was, einen natürlichen Schutz des Pierre Jaune vor Frostschäden bedeutet, Schutz, der durch eine schnelle und effektive Trocknung noch verstärkt wird.
Seine gute Druckfestigkeit (zwischen 10 und 23 N/mm2) , seine sehr geringe hygrische (zwischen 0,2 und 0,7 mm / m in 72h) sowie thermische Dilatation (zwischen 3,4 und 11 x 10-6 mm / mm.°C bis 70 °C) sind alles technische Eigenschaften, welche die hohe Dauerhaftigkeit dieses Steins erklären.
Allerdings zeigen Beobachtungen, dass der Pierre Jaune relativ empfindlich gegenüber der Salzverwitterung ist, was wahrscheinlich erklärt, warum die Sockel von Gebäuden aus Pierre Jaune oft aus hartem und dichtem Steinmaterial bestehen.
Häufigste Verwitterungsformen  Die Beobachtung an zahlreichen Gebäuden aus Pierre Jaune zeigt, dass die am häufigsten vorkommenden Verwitterungsformen eher eine ästhetische als konstruktive Veränderungen darstellen, wie zum Beispiel die braune Patina, welche sich auf allen Fassadenelementen bildet, die nicht direkt der auslaugenden Wirkung des Regens ausgesetzt sind (Beispiel).